Artikel teilen! Gili Nanggu: Dienstag, 18.10.11 1900 (Ergänzung vom 19.11. um 18.30) Ich habe zwar immer gesagt, dass ich hier herkom ...
Dienstag, 18.10.11 1900 (Ergänzung vom 19.11. um 18.30)
Ich habe zwar immer gesagt, dass ich hier herkomme für Strand und Nichtstun, doch ein Ausflug musste schon sein.
Nebst Besuchen von Töpfereien und weiterem Kunsthandwerk, das mich weniger interessiert, konnte ich zwischen drei Ausflügen auswählen: Kuta im Süden, hat zwar die schönsten Strände, aber dahinter
Ödland und keine Schattenplätze, nichts für mich. Oder drei Inseln im Norden, Gili Trawangan, Gili Meno und Gili Air, mit dem Boot ab Hotelstrand über eine Stunde für einen Weg, dort schnorcheln.
Gemäss meinem schlauen Buch über Lombok sind diese Inseln aber längst nicht mehr ein Geheimtipp. Oder die Insel Gili Nanggu im Südwesten, zuerst mit dem Auto südwärts nach Taun, von dort aus mit
dem Boot etwa 20 Minuten zur Insel, die in Privatbesitz ist und täglich nur von ein paar Touris, organisiert von lokalen Tourguides, besucht werden kann. Ich entschied mich für diese einsame
Insel. Um 8.30 wurde ich von Udo und seinem Fahrer abgeholt, die ich schon vom Flughafentransfer her kannte. Leider spricht Udo nicht so verständliches Deutsch und leider hatten sie wieder den
lahmen Kleinbus dabei statt wie versprochen eine Limousine. Und ich war ihr einziger Gast. Dafür durfte ich Spezialwünsche anbringen, wie den Besuch eines Balinesentempels in Lingsar auf dem
Rückweg. Zuerst gings jedoch quer durch die Hauptstadt, die eigentlich aus drei aneinander gereihten Städten besteht und kein eigentliches und sichtbares Zentrum hat. Viele Verwaltungsbauten,
Polizei und Militär sind sehr auffällig präsent, die einzigen McDonalds und KFC der Insel sind für Udo offenbar die grössten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Viel Verkehr, hauptsächlich Motorräder,
so eine Mischung aus Töffli und 125er, es scheint, jede und jeder hat hier so eine Maschine. Und auf der Insel mit einem Durchmesser von ca. 100 km sollen immerhin gegen 3 Millionen Menschen
leben! Südlicher von Mataram werden die Strassen schmaler, wir fahren am Hafen von Lembar vorbei, wo die Fähren nach Bali ablegen, es geht ziemlich in die Hügel hinein und unser Bus hat, wie auch
anderer „Schwerverkehr“ Mühe, die kurzen aber heftigen Steigungen zu überwinden. Überall drehen sich komische Walzen unter Dächern in Vorgärten. Da werde Gold gewaschen, erklärt man mir
(wirklich??). Wir erreichen Taun, wo ich in einem Strandladen mit Schnorchelutensilien ausgerüstet werde, dann gehts aufs Boot, so ein typisch indonesisches Auslegerboot. In etwa 20 Minuten
schippern wir nach Gili Nanggu, die von weiten fast wie ein Malediveninseli aussieht, viel Strand und ein paar Bäume drauf. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn auf der hinteren Seite ist
kein Strand, sondern schroffer Korallenfels. Wir besetzen so eine Plattform/Pavillon/Bühne, wie ich gestern schon beim Sonnenuntergang beim Hotel auf so einer war. Erst auf der Autofahrt ist mir
aufgefallen, dass hier vor fast jedem Haus sowas steht. Sie heissen Bruga und sind etwa so der zentrale Mittelpunkt einer Familie oder Hausgemeinschaft, wie es bei uns die Küche ist.
Hier trifft man sich, hier werden Neuigkeiten/Sorgen usw. ausgetauscht. Natürlich sind die gewöhnlichen Brugas nicht mit einer weichen Matratze ausgerüstet, wie diejenigen am Hotelstrand, sondern
man liegt/sitzt auf dünnen Holzbrettern oder bestenfalls einer Bastmatte. Auf der Insel hat es zudem etwa zehn Cottages, die als luftige Hotelzimmer vermietet werden, ein kleines Restaurant sowie
Umkleideräume/WC, und ein paar weitere Gebäude, zum Teil noch im Bau, das ist alles.
Ich hatte seit vielen Jahren nicht mehr geschnorchelt, da man das ohne eigene Brille machen muss und ich ohne
diese nicht so viel sehe. Man hat mir zwar gesagt, dass ich sie auch unter der Taucherbrille tragen könne, doch das ging irgendwie doch nicht, da undicht. Also setzte ich halt nur die
Taucherbrille auf und war überrascht, wie weit ich unter Wasser dennoch sehen konnte. Ein erster Versuch begeisterte sofort, kaum hat man den Kopf unter Wasser, ist man von einem Schwarm bunter
Fische umgeben. Man schwimmt über eine Korallenbank, muss aber aufpassen, dass man die Dinger nicht berührt, gar nicht so einfach bei Ebbe. Im Strandladen hatte ich auch noch eine Flasche
Fischfutter bekommen. Richtig, eine Flasche. Ganz einfach, man stopft Weissbrotstücke in eine Pet-Flasche, dreht den Deckel zu und hackt ein grösseres Loch oben hinein und verkauft das Ganze für
umgerechnet 50 Rappen. Dann muss man nur noch die Flasche mit Wasser füllen und gezielt drücken, und schon kommen die aufgeweichten Brotstückchen von selbst hinaus, die Fischli warteten schon
gierig darauf. Also ich hab zwar Fische lieber auf dem Teller, als im Aquarium, aber das war schon ein Erlebnis im Korallenriff! Nach zwei Schnorchelgängen hatte ich erst mal genug und ruhte mich ein wenig auf der Bruga aus, Udo blieb immer diskret im
Hintergrund bei seinen Tourguidekollegen und den Bootsführern. Nun kam er aber zu mir und schlug mir vor, doch im Inselrestaurant was zu essen (obwohl ich eigentlich gar keinen Hunger hatte). Er
zeigte mir die Hütte und verzog sich dann in die danebenstehende kleine Moschee, fast nicht als solche erkennbar. Wahrscheinlich glaubte er mich so bestens versorgt, während er seinem
Gebetsdienst nachgehen musste. Ich nahm Fish and Chips, das reichte, ging dann wieder an den Strand und machte später noch einen Versuch, die Insel zu Fuss zu umrunden, was an den schon erwähnten
Korallenfelsen scheiterte. Schliesslich ging ich nochmals mit den Fischen schwimmen, diesmal ohne Fütterung, nun kam die Flut und es hatte starke Strömungen, so dass es mir schnell mal
verleidete. Immerhin blieb das Wetter gut, wenn man gegen Senggigi blickte, so schien es dort zu regnen.
Unterdessen waren noch ein paar weitere Besucher eingetroffen, doch die Anzahl blieb über den ganzen Tag hinweg
übersichtlich. Wir waren denn auch fast die Letzten, die gegen drei Uhr die Rückfahrt antraten, es blieben nur noch einige wenige Hotelbewohner und Personal. Gegen den Wind war die Bootsfahrt
diesmal eine sehr feuchte Angelegenheit, es spritzte dauernd ins Boot, ich hätte besser die Kleider erst am Festland gewechselt, denn man wurde rasch mal wieder nass. Ich nahm das ganze von der
lustigen Seite, doch Udo schien deutlich mit sich selber zu kämpfen, ihm behagte schaukelnde Überfahrt offensichtlich gar nicht. In Taun wartete der Fahrer auf uns, Udo ging es rasch besser. Auf
der Rückfahrt konnte man da und dort auch noch einen Fotostopp machen. Ein Reinfall war der vorgesehene Balinesentempel. Erst mal war es nicht der gewünschte Tempel in Lingsar, sondern
irgendeiner am Stadtrand von Mataram. Zweitens musste ich zur
Kenntnis nehmen, dass die hiesigen Balinesentempel nur zu bestimmten Feiertagen geöffnet sind, während man sie auf Bali jederzeit besuchen könnte. Also machte ich halt ein paar Fotos der drei
Pagoden für Brahma, Shiva und Wishnu von aussen über die Mauer. Wie bestellt war dann aber plötzlich sowas wie ein Tempelwächter zugegen, der uns gegen ein kleines Entgelt die Türen öffnen
sollte. Udo musste draussen bleiben, da von anderer Religion, ich erhielt einen länglichen Stofffetzen, den ich als Gürtel um den Bauch schnüren musste. Das Innere des Tempels war tatsächlich
leer, doch immerhin liessen sich die Pagoden so besser fotografieren. Der Wächter brammelte immer etwas von Flowers und Big Ceremony, ich reimte mir das so zusammen, dass bei den seltenen grossen
Tempelfesten hier alles mit Blüten übersät und verziert ist.
Durch den dichten Feierabendverkehr von Mataram und Schwesterstädten gings zurück nach Senggigi, die Strasse macht unterwegs einige Kehren hoch über dem Meer, was Grund zu weiteren Fotostopps war. Eine Stunde später als geplant waren wir zurück beim Hotel, nach einem insgesamt sehr interessanten Ausflug, bei dem ich einen ganz kleinen Einblick ins Leben der Lombokis erhalten hatte. Es reichte noch gerade, um an den Strand hinunterzuhetzen, für die nächste Serie von Sonnenuntergangsfotos.
Fürs Znacht ging ich mal etwas weiter hinein ins Dorf, im Happy Café wird nämlich nebst gutem Essen auch Live Musik geboten, und nicht mal von der schlechtesten Sorte. Die Bands hier spielen zwar fast alles Coverversionen von bekannten Stücken, dies aber in bester Qualität, der Gitarrist der Band im Happy Café hatte jedenfalls bei „Sultans Of Swing“ das schwierige Riff von Mark Knopfler so gut drauf, dass man fast keinen Unterschied zum Original der Dire Straits erkennen konnte, Respekt! Ich landete dann noch in der Marina Sports Bar, die bis 22 Uhr Happy Hour hatte und bestellte ein Bier bzw. zwei, übersah aber glatt, dass der Happy Hour-Tarif für Bier „buy 2, get 3“ war, im Gegensatz zu den andern Drinks wo es wie gewohnt „2 für 1“ gab. So war ich dann schon etwas erstaunt, als plötzlich ein Eiskübel mit drei Flaschen Bier vor mir stand. Zum Glück warens nur kleine Flaschen, ausserdem war so durstiges, feuchtheisses Klima abends um Zehn, dass ich auch drei Flaschen locker schaffte. In der angrenzenden Marina-Disco spielte eine weitere Live-Band, bei der ich auch noch für zwei Drinks hineinschaute. Gegen Mitternacht war ich wieder im Hotel, aber wirklich nicht mehr in der Lage, noch heftig Reiseberichte in die Welt hinauszusenden...