Artikel teilen! Singapore-Lombok - von einer Welt in eine ganz andere: Donnerstag, 13.10.11 22.50 SIN/Lombok-Time Zum Erwachen am Morg ...
Donnerstag, 13.10.11 22.50 SIN/Lombok-Time
Zum Erwachen am Morgen genoss ich noch ein wenig den einmaligen Ausblick aus meinem Hotelzimmer, denn endlich war
nun auch die Sonne da, jetzt wo ich weiterziehen musste. Nachdem ich mich noch einmal hinters Zmorgebuffet gemacht hatte, gings ans Auschecken, den Koffer liess ich vorerst im Hotel, denn ich
hatte noch etwas vor. Als ich nach draussen trat, spürte ich dann, dass mit der anwesenden Sonne auch die Temperatur nochmals angestiegen war, die Hitze war nun fast unerträglich. Kaum fünf
Minuten gelaufen, erreichte ich bereits schwitzend den Singapore Flyer, das Riesenrad, ein neues Wahrzeichen der Stadt. Mit diesem musste ich schon noch gefahren sein. In den zum Glück klimatisierten Kabinen kann man in einer guten halben Stunde eine
ganze Runde drehen und steigt dabei auf maximal 165 m über Grund, wo sich ein gewaltiger Ausblick auf Downtown Singapore und die weitere Umgebung präsentiert. Da ich zeitlich gut dran war, gönnte
ich mir zum Abschied in der Hotelbar noch einen Singapore Sling, bevor ich mich auf den Weg per U-Bahn zum Flughafen machte. Am Schalter von Silk-Air bekam ich die Bordkarte mit einem
Fensterplatz für den Flug nach Lombok ausgehändigt. Und dann beim Gate der kleine Schock: Schweizer! Bisher waren mir seit dem Aussteigen aus dem A380 noch keine begegnet, nun hatte es gleich
mehrere davon, gut, dass man sich da als Alleinreisender etwas verstecken kann. Mit dem A319 der Silk-Air gings südostwärts, ich hatte wieder mal eine Sitzreihe für mich, der Flieger war nur gut
halb voll. Dann gabs erstaunlicherweise eine volle Mahlzeit, damit hatte ich nicht gerechnet und mir kurz vor dem Abflug in einem Subway im Changi Airport noch ein Tunasandwich geholt. Man hätte
sogar aus zwei Mahlzeiten auswählen können, doch bis zu mir gabs nur noch Chicken auf Reis, auch gut. Prächtiger Sonnenuntergang und Anflug auf Lombok in der Dämmerung, daneben Bali in der
Dämmerung, toll!
Als ich diesen Aufenthalt gebucht habe, war von einer Transferzeit Flughafen-Hotel von 30 Minuten die Rede, doch unterdessen
hat man am 1. Oktober nach längerer Verzögerung den neuen internationalen Flughafen von Lombok eröffnet, er liegt südöstlich der Hauptstadt Mataram. Gut für die paar wenigen Hotels im Süden, die
Transferzeit dorthin verringert sich erheblich. Schlecht für die vielen Hotels im Norden, hier verdreifacht sich die Transferzeit, in meinem Fall wurde der Transfer auch noch teurer! Doch bis ich
überhaupt unterwegs sein durfte, mussten noch weitere Hindernisse überwunden werden, das Abenteuer war in vollem Gange. Als erstes musste man fürs Visum anstehen, wofür 25 US-$ bezahlt werden
sollten. In Singapore hatte ich meine überzähligen Singapore-$ in US-$ gewechselt, wobei mir eine unbeliebte 100$-Note untergejubelt wurde, die wollte ich nun wieder loswerden, doch der
Visabeamte wollte nicht rausgeben können, obschon er vorher schon beigenweise 25$ einkassiert hatte. Auf eine 50$-Note gabs dann immerhin 110'000 Indonesische Rupien zu einem passablen Kurs als
Herausgeld, nur ja keine Dollars! Dann musste man in zwei Kolonnen zur Passkontrolle anstehen. Nachdem vor mir scheinbar schon mehrere Einreisende mit den selben Unterlagen abgefertigt worden
waren, ging das plötzlich bei meinem Vordermann und allen anderen in unserer Kolonne nicht mehr, wir mussten nebenan hintenanstehen und der Schalter wurde geschlossen. Dafür bekam man in dieser
Reihe dann einen wunderschönen Visa-Kleber in den Pass eingefügt. Kurz bevor ich drankam, wendete sich ein weiterer Offizieller mit einer Entschuldigung für die Wartezeit an uns. Als wir
reklamierten, dass man die Kolonnen ja entsprechend anschreiben könnte, meinte er, sie hätten die Schilder schon längst bei ihrer „Authority“ bestellt, nur leider noch keine erhalten. Nun ja, mit
einem guten Drucker, ein paar A4-Seiten und wenig Fantasie könnte man ja auch erst mal ein Provisorium basteln und sich so viel Ärger ersparen! Mein Koffer hatte ich schon lange auf dem Rollband
gleich hinter der Passkontrolle gesehen, doch plötzlich drehte er keine einsamen Runden mehr. Als ich das Visum endlich hatte, fand ich ihn weit hinten neben dem Rollband stehen. Jetzt aber
schnell weiter, mein Transfermensch wartete sicher schon ungeduldig. Doch weit gefehlt, mein brandneuer Koffer hatte ein Kreidezeichen (er war offenbar zuvor gescannt worden), was nichts anderes
bedeutete, als dass ich noch durch die rote Zollkontrolle gehen musste! Koffer öffnen und mir schwante Böses, ich hatte auf dem Zollzettel angekreuzt, dass ich keine Lebensmittel einführen würde
(weil es ja auch verboten ist), und dabei vergessen, dass ich ja noch eine angefangene Rolle Pringles im Koffer hatte. Doch auf diese hatte es die Zöllnerin gar nicht abgesehen, vielmehr
interessierte sie sich für meine mitgeführten Medikamente (Antibiotoka, die ich als Notfallmedis mit mir führe, falls mein Darm unerwartet wieder verrückt spielen sollte), nach eingehender
Kontrolle derselben durfte ich schliesslich zusammenpacken und endlich raus. In der düsteren Beleuchtung der Ankunftshalle war dann wie erwartet weit und breit kein Täfeli mit „Hotelplan“ oder
„Holzer“ in Sicht. Verschiedene Taxifahrer quatschten mich an und erhofften sich ein gutes Geschäft, doch schliesslich wandte sich einer mit einer Tafel, auf der „Juerg Markus“ stand, an mich,
mein Transferheini hatte mich gefunden, trotz Verwechslung der Vor- und Nachnamen. Udo, so stellte sich der mässig Deutsch sprechende Tourguide vor, war nicht gleichzeitig der Fahrer, den musste
er jetzt noch suchen, auf der Baustelle, die eigentlich der neue Lombok-Flughafen sein sollte. Überall wurde dort auch im Finstern noch gewerkelt, Samstag soll scheints die offizielle Eröffnung
durch den Präsidenten sein. Bald war auch der Kleinbus gefunden, ich war der einzige Passagier. Nun gings in anderthalb Stunden über oft finstere Strassen, aber mit dichtem (Töff-)Verkehr von
allen Seiten Richtung Hauptstadt Mataram. Dort war der Verkehr noch dichter, die Strassen dafür etwas beleuchteter. Beiläufig erwähnte Udo zwischen seinen allgemeinen Informationen, dass es am
Morgen nebenan auf Bali ein heftiges Erdbeben mit Stärke über 6 gegeben habe, doch schwappe das selten auf Lombok über. Dennoch ein etwas beunruhigendes Gefühl*.
Endlich beim Hotel, wurde unser Fahrzeug bei der Einfahrt akribisch mit Spiegeln untersucht, kam mir vor wie an einem Russischen Grenzposten. Ich erhielt ein schönes Zimmer mit Balkon zum Meer (ich höre es...) im äussersten Trakt, weitab der Reception, also am Arsch der Welt. Dies erst recht, weil es nur in der Lobby gratis WLAN gibt, Internetverbindung im Zimmer via Kabel käme auf ca. 12$/Tag zu stehen. Ich muss mich also in dieser Woche etwas mässigen, aber ich bin ja schliesslich zum Erholen da, und nicht zum stundenlang hinter dem Compi sitzen! Wetter scheint gut zu sein, kein Regen in Sicht, und ein erster Rundgang durchs Hotel war viel versprechend, mal schauen, ob dies morgen bei Tageslicht auch so gut aussieht. Und jetzt mache ich mich auf den Weg in die Lobby, um diesen Bericht für Euch ins Netz zu stellen...
* Später habe ich dann erfahren, dass im Süden von Bali heute Morgen tatsächlich die Erde mit 6,0 gebebt hat,
44 Verletzte, grössere Schäden! Ich war davon nicht betroffen und
mir geht es gut, nur damit das klar ist.